Im Texter Blog: Wortspiele

Über das Spiel mit Worten, Wortspiele in der Werbung, und den Einsatz als Eselsbrücken.

Texterin Freiburg - AuFs WoRt

Wortspiele halten früh Einzug ins Leben, beginnen spätestens im Grundschulalter eines Kindes und können zur lebenslangen Gewohnheit werden. Erst werden die Namen der Lehrer verdreht, dann die Klassenkameraden umgetauft, der eigene Vorname verändert. Irgendwann wird aus dieser ersten lockeren Wortspielerei etwas, das einzusetzen sich merklich lohnt. Denn früh scheint durch, dass Wortspiele Kraft haben. Sie bringen Gefühlslagen durcheinander. Ja, sie spielen mit Gefühlen. Denn neben positiven Eigenschaften wie Witz und Lachen auslösen, können Wortspiele auch provozieren, Ärger hervorbringen, anstacheln. Und das beste (oder schlimmste, je nachdem): Sie bleiben lange im Kopf. Diesen Aspekt haben sich nicht nur Eselsbrücken – Merkhilfen – zu Nutze gemacht, sondern auch die Werbung. Wortspiele in der Werbung sind ein Klassiker. Anfangsbuchstaben werden verdreht, Anagramme genutzt, Worte neu zusammengesetzt, es wird gereimt.
Wortspiele müssen aber nicht immer zwingend etwas bewirken oder auslösen wollen. Sie sind auch einfach ein geschätzter Begleiter und unterhaltsamer Zeitvertreib. Denn Wortspiele können Stimmungen aufnehmen und in Reimen und Gedichten verarbeiten. Durch die Vorgaben und Natur des Reims verschiebt sich mancher Sinn im Wortspiel in etwas Komisches, Unerwartetes. Ernst, Sachlage, Tatsachen und Korrektheit werden durch Überraschung abgelöst – und befreit.

  1. Wortspiele als Gewohnheit
  2. Wortspiele als Eselsbrücken
  3. Wortspiele im Tun und Erleben
  4. Wortspiele zur Unterhaltung
  5. Wortspiele in der Werbung
  6. Wortspiele im Journalismus
  7. Wortspiele für Texter

1. Wortspiele als Gewohnheit

Je mehr man sich mit Texten beschäftigt, desto genauer guckt man hin. Sieht sich Wörter an, schaut auf die Optik. Hinterfragt den Sinn, die Wirkung eines Ausdrucks. Überlegt und recherchiert die Herkunft des Wortes. Das Lesen verändert sich. Durch das genaue Hingucken beginnt ganz automatisch auch das Wortspiel. Man vollendet Sätze selbstständig und individuell, mit Gereimtem, mit Aufgeschnapptem. Man wird virtuoser im Umgang mit Wort und Text. Man merkt sich Worte und Ausdrücke, bringt sie in anderem Zusammenhang an und unter. Setzt neu zusammen. Durch das Lesen erweitert sich mit dem Wortschatz auch der Umfang an Synonymen. Diese Umschreibungen bringen wiederum neue Gedanken oder Reime hervor. Das Wortspiel kennt keine Begrenzungen, nur Entdeckungen.

2. Wortspiele als Eselsbrücken

Zu den besonders nützlichen Wortspielen gehören Eselsbrücken. Diese helfen einem dabei, aus einer nüchternen Abfolge, die einfach nicht in den Kopf gehen will, etwas zu bilden, das leicht Eingang findet. Bestes Beispiel: „Nie Ohne Seife Waschen“ – und plötzlich weiß man über die Ausrichtung von Nord, Ost, Süd und West Bescheid. Für sein ganzes Leben. Und dank „Im Osten geht die Sonne auf, im Süden hält sie Mittagslauf, im Westen will sie untergehen, im Norden ist sie nie zu sehen“ gleich dazu noch ein bisschen mehr über das Verhalten der Sonne und der Navigation mit ihrer Hilfe. Reime, so zeigt sich an diesem legendären Beispiel, bleiben noch einmal besser im Gedächtnis haften und taugen als Eselsbrücke hervorragend. (Scherzhafte Eselsbrücken fallen dagegen unter die Rubrik unnütze Wortspiele, wie z.B. „Links ist da, wo der Daumen rechts ist“. :-P)

3. Wortspiele im Tun und Erleben

Wortspiele sind ein hervorragendes Mitbringsel von alltäglichen Erlebnissen. Insbesondere in Form von Reimen oder kleinen Gedichten sind sie ein wertvolles „Souvenir des Tages“, das den alltäglichsten Stunden etwas ganz Besonderes verleiht. Wie viele Ratgeber handeln davon, jeden einzelnen Tag wertzuschätzen, lehren Achtsamkeit. Nun, mit einem Reim gelingt dies am allerbesten. Denn, ob man direkt in der Tätigkeit mit dem Wortspiel beginnt, oder im Nachhinein notiert und aufschreibt: die Beobachtungen und Gedanken werden geschärft. Die 5 Sinne – Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten – sammeln achtsam Material in Form von Adjektiven. Das Erleben muss sich davon derweil in keinster Weise stören lassen. Denn man kann sichergehen, dass die wichtigsten Eindrücke noch eine ganze Weile haften bleiben und erst von den nächsten Sinneseindrücken schließlich abgelöst werden. Wortspiele verlangen nicht nach Übereifer oder Hast.

Und so kann ein solches Erlebnis-Wortspiel aussehen:

Verwegen
auf leeren Wegen
durch den Regen.

Reglos
derweilen viel
der Leere sehen.

Von wegen
im Regen stehen
im Wege stehen.

Verweilen
Gibt viel zu sehen.
Leere verstehen.


Hat das nun einen tieferen Sinn oder nicht? Ist der Reim gelungen oder nicht? Ganz egal. Er ist einem zwanglosen Spaziergang, in kreativer Begleitung, an einem regnerischen Tag gewidmet. Aufgrund des Wetters war sein Zustandekommen nicht unbedingt evident. Ein paar muntere Regenwanderer kamen uns entgegen, die meisten Waldwege blieben jedoch leer. Wir blieben stehen, blickten in das Grau, der Ausblick auf die Stadt fiel deutlich geringer aus, als üblich. Dafür machten wir ganz andere Entdeckungen. Erfreuten uns explizit an dieser leeren Aussicht – Leere nur auf den ersten Blick.

4. Wortspiele zur Unterhaltung

Eines ist sicher: wer gemeinsam Worte derselben Sprache – und noch dazu denselben Humor, zusammen mit Spaß an Worten – zur Hand hat, der darf sich glücklich schätzen. Denn es wird garantiert nicht ideenlos oder gar langweilig zugehen. Mit einem solchen wortgewandten Menschen an seiner Seite entsteht ein fröhlicher Wettbewerb. Die Wortneuschöpfungen sprudeln nur so heraus, man überbietet sich gegenseitig an Witz. Es entstehen „Insider“, Ausdrücke, die kein anderer Mensch auf Anhieb verstehen kann. Wortspiele schaffen eine Verbindung, Geheimnisse, in die man Außenstehende erst einweihen muss.

5. Wortspiele in der Werbung

Es ist deutlich zu bemerken: die Werbung macht sich alle Vorteile und positiven Eigenschaften der Wortspiele zu Nutze. Wortneuschöpfungen sind gang und gäbe. Grammatik oder korrekte Schreibweisen werden der Kreativität geschuldet über den Haufen geworfen. Sich ins Gedächtnis einbrennende Reime genutzt. Anagramme, die man auch als Letterwechsel, Schüttelwort oder Letterkehr bezeichnen kann – Buchstaben werden neu zusammengesetzt – finden sich in den Wortspielen der Werbung. Und wozu?

  • Als Hingucker (Aufmerksamkeit generieren)
  • Zum Spaßmachen, zum Schmunzeln (Sympathie)
  • Zum Stutzen und Verweilen (Eingang finden)
  • Um neugierig zu machen („wer steckt dahinter“?)
  • Abgrenzung, Zirkel der Wissenden (Zielgruppe)

Natürlich besteht bei Einsatz von Wortspielen in der Werbung auch eine gewisse Gefahr, ins Platte und Lächerliche abzugleiten. Manches ist zu gewollt und eine Art „Überwitz“ erkennbar. Bei Planung einer großen Kampagne ist es nötig, sich nicht im Witz zu verlieren, den Freund von Wortspielen „nicht mit sich durchgehen zu lassen“. Denn Wortspiele und Wortwitz entstehen schnell. Die Kunst: abzuwägen und dem Wortspiel nicht jeden intellektuellen Anspruch zu opfern.

6. Wortspiele im Journalismus

Auch im Journalismus sind Wortspiele angekommen. Früher umgeben von staubig, nüchtern und trocken gehaltenen Texten, versuchen Journalisten heute, die Leser zu unterhalten. Drehbuchartig aufgebaute Spannungsbögen, Dialoge, viele dieser Stilmittel sind in den journalistischen Texten angekommen. Und nun eben auch die Claims und Slogans, die bisher, gereimt oder nicht, als Wortspiel der Werbung vorbehalten waren.

7. Wortspiele für Texter

Wortspiele und Texter gehören unweigerlich zusammen. Das Spiel mit den Wörtern, das Erfassen der Buchstaben, der Genuss der Zutaten, das Abschmecken der Wort- und Satzbestandteile, gehört zum Beruf des Texters und sollte Gewohnheit und Alltagsbegleiter werden. Denn jedes Wortspiel ist eine Art Übung, Praxis, Weiterbildung, ein Austesten. Wie oben bereits erwähnt, schärfen Wortspiele die Wahrnehmung, den Ausdruck, den Wortumfang. Wortspiele für Texter: unbedingt empfehlenswert!

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Texterin in Freiburg und Freelancerin Text

Über mich

Ich habe im Frühjahr 2020 AuFs WoRt – Text & WortArt www.aufswort.art gegründet und bin seitdem als freie Texterin in Freiburg im Breisgau tätig. Zunächst für Unternehmen aus „meinem“ Bereich Tourismus im Einsatz, kamen schnell auch Aufträge aus anderen Themenbereichen, z.B. dem Lifestyle, hinzu. Neben Texterstellung sind insbesondere meine Marketing Übersetzungen, aus dem Französischen oder Englischen ins Deutsche, gefragt. Sofern es die Auftragslage und freie Zeit zulässt, arbeite ich gern an eigenen Projekten, texte, probiere aus (→ siehe EigenArt), bilde mich weiter – und lerne dazu. Außerdem bringe ich gern Fotos und Texte zusammen, zu sehen in der Rubrik BildArt.

Veröffentlicht von AuFs WoRt

WortArt, Texte & Schreibtraining

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